Mein erster Eintrag soll also um ein schwerwiegendes Thema gehen!
Wie ich darauf komme? Nun, ich habe heute die neueste Folge (110) des Chaosradio gehört. Es ging um das Thema, das bereits im 22C3 viel diskutiert wurde: “We lost the war” – Die Frage also, ob der Widerstand gegen Freiheits-, Persönlichkeits- und Menschenrechtseinschränkungen verloren wurde.
(Unter anderem kam Peter Glaser zu Wort. Ein altbekannter Technophiler, der sehr clubnah agiert und dessen Texte ich nur empfehlen kann.)
Es kam auch kurz das Thema auf den so genannten “Folterskandal” von 2002, als ein Polizeibeamter dem Entführer von Jakob von Metzler Folter androhte, um ihn zu einer Aussage über den Ort des Versteckes zu bewegen. Der Junge starb am 27.09.02.
Vor kurzem (15.02.06) hat das Bundesverfassungsgericht dem Flugzeugabschuss im Terrorfall als unzulässig erklärt. Lassen wir mal die ganzen technischen Details beiseite und nähern uns der Sache mal mathematisch.
Gehen wir mal davon aus, das uns an unseren Grundrechten wirklich etwas liegt, und legen diese als gegeben fest.
Mit Artikel 3, Absatz 1 gilt also:
(1) “Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.”
Das setzen wir gleich mit
(2) Mensch = Mensch
Gehen wir davon aus, das der Wert jedes Menschen unmessbar, als unendlich ist. bekämen wir:
(3) ∞ = ∞
Nehmen wir eine beliebige Anzahl Menschen n und fragen uns:
(4) n ⋅∞ > ∞ ?
Oder: Sind die Leben mehrerer Menschen mehr wert als das Leben eines einzigen?
Mathematisch ist die Antwort leicht:
Mit
(5) ∞+∞ = ∞
Ist auch
(6) ∞+…+∞ = ∞
Also
(7) n⋅∞ = ∞
Und damit
(8) n⋅∞≯ ∞ !
Die Antwort lautet also: Nein, keine Anzahl an Menschenleben kann ein einziges aufwiegen!
Zumindest rational betrachtet…
Wie sieht es aber mit unserer irrationalen, menschlichen Seite aus? Sind wir wirklich fähig, das Thema so nüchtern aufzurechnen? Bleiben wir zunächst mal bei der Folter.
Irrationales Argument (in der Chaosradio-Sendung kommentiert):
Die Exekutivorgane nehmen einen mutmaßlichen Terroristen fest, der ihrer Meinung nach der einzige ist, der weiß, wo eine Atombombe stationiert ist, die direkt auf Berlin gerichtet ist und in den nächsten 24 Stunden automatisch gezündet wird.
Absolut irrational – Das ist Filmrealität
Rationales Argument:
Ein mutmaßlicher Entführer einer gesellschaftspolitisch wichtigen Person
kennt als einziger den Aufenthaltsort. Es besteht zu befürchten, das die Geisel in den nächsten 24 Stunden sterben wird, da sie nicht mit Lebensmittel versorgt ist.
Leider absolut Realität.
Die europäische Gesetzgebung (Europäische Menschenrechtskonvention, Art. 3) ist eindeutig. Keine Folter unter keinen Umständen. Die deutsche nicht. Da heißt es (Grundgesetz Artikel 2, Absatz 2): “Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.”
Nun zurück zu dem Ereignis im Jahre 2002. Hier wiederum kam es zu einem sehr milden Urteil, da der Polizeibeamte nur die Folter androhte.
Jetzt sind wir wieder bei dem Menschlichen. Die wenigsten von uns würden die Folter verweigern, wenn es um das eigene Kind ginge, oder?
Und dennoch bin ich der Meinung man sollte dieses Gut schützen und bewahren: Keine Folter – unter keinen Umständen!
Wie sieht es dann mit dem Aufwiegen von Menschenleben aus? Das Passagierflugzeug mit zweihundert Unschuldigen gegenüber möglicherweise fünftausend Unschuldigen? Ist Leid aufzuwiegen?
Oder verhält es sich eher wie mit der Atombombe. Wie realistisch ist so ein Szenario und selbst wenn der Abschuss erlaubt wäre, ist es überhaupt möglich so schnell einzugreifen?
Meine Meinung ist momentan eindeutig:
Gefühlte Sicherheit.
Ich glaube nicht, dass durch eine Gesetzgebung, die es ermöglicht, Unschuldige zu töten oder auch vermeintlich Schuldige zu foltern, wirkliche Sicherheit gibt. Rational betrachtet…
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